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Projektliste Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Pflanze - Pflanzenschutz

Projekt:

Regulierung Falscher Mehltau Pilze an Gemüsekulturen im ökologischen Landbau, am Beispiel von Salat und Zwiebeln; Erarbeitung von Ansätzen für erfolgversprechende Strategien

FKZ:

Laufzeit:

 
02OE514 15-10-2002 bis 29-02-2004 Dieses Projekt ist abgeschlossen.

Ausführende Stelle:

Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren/Erfurt e.V., Abteilung Pflanzengesundheit, Theodor-Echtmeyer-Weg 1, 14979 Großbeeren Ansprechpartner: Dr. Andreas Kofoet Telefon: 033701/78208 Email: kofoet@igzev.de

Kooperationspartner:

Agrarum, Büro für Agrar-Umwelt-Konzepte Trifolio-M GmbH

Kurzportrait:

Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung von Ansätzen für erfolgversprechende Strategien zur Regulierung der Falschen-Mehltau-Pilze an Gemüsekulturen des ökologischen Gemüsebaus. In Gewächshausstudien werden die Wirkungsweise der Pflanzen- stärkungsmittel (Mycosin, Elot-Vis und Steinhauers Mehltauschreck und einige Neuentwicklungen der Trifolio-M GmbH) überprüft und Hypothesen zum Wirkungsmechanismus aufgestellt. Die Wirkungsdauer wird für verschiedene Pflanze-Pathogen-Interaktionen ( Bremia lactucae / Salat, Peronospora destructor / Zwiebel, Peronospora parasitica / Kohl, Pseudoperonospora cubensis / Gurke) getestet; daraus werden die optimalen Applikationstermine und die Applikationshäufigkeit im Verhältnis zum Infektionstermin und zur Inokulummenge abgeleitet. Die Strategien werden unter Freilandbedingungen in den Pathosystemen Bremia lactucae / Lactuca sativa und Peronospora destructor / Allium cepa auf ökologisch bewirtschafteten Flächen und Versuchsflächen überprüft. Weiterhin soll in breiter angelegten Studien die Saatgutübertragbarkeit von Falschem Mehltau in den Pathosystemen Bremia lactucae/ / Lactuca sativa, Peronospora destructor / Allium cepa, Peronospora parasitica / Brassica oleracea var. gongylodes und Pseudoperonospora cubensis / Cucumis sativus untersucht und bewertet werden.

Kurzfassung der Ergebnisse:

Im ökologischen Gemüsebau ist der Falsche Mehltau ein bedeutendes Problem und führt in vielen Kulturarten zu hohen Ertragsverlusten. Zur Zeit sind weder genügend wirksame Resistenzen bekannt, noch geeignete Anbautechniken vorhanden, die einen ausreichenden Schutz gegen Mehltaupilze bieten würden. Der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln mit einer effektiven Wirkung gegen Falschen Mehltau wäre eine mögliche Lösung des Problems. Allerdings gibt es bisher kaum Untersuchungen, in denen die Wirksamkeit der Stärkungsmittel unter standardisierten Bedingungen geprüft wurde. Die Erfahrungen aus der Praxis sind sehr unterschiedlich und die Wirksamkeit muß vom Hersteller nicht nachgewiesen werden. Wenig bekannt ist auch, daß bei einigen Kulturarten eine primäre Infektion mit Falschem Mehltau durch infiziertes Saat- und Pflanzgut erfolgen kann. Dabei kommt es durch an der Samenschale haftende Oosporen oder Pilzmyzel im Embryo zu infizierten Keimlingen. In diesem Projekt wurde daher in Gewächshaus- und Freilandversuchen die Wirksamkeit von Pflanzenstärkungsmitteln getestet und die Rentabilität einer Anwendung überprüft. Ein weiteres Ziel des Projektes war der Nachweis der Kontamination von Saat- und Pflanzgut mit Falschem Mehltau. In den Gewächshausversuchen wurde die protektive Wirkung einiger Pflanzenstärkungsmittel (Elot-Vis, Mycosin, Steinhauers Mehltauschreck, Neudovital, Trifolio Agro, Trifolio FU 08 und Frutogard) an Zwiebeln, Salat, Gurke und Radies untersucht. Die kurative Wirkung gegen Mehltau wurde an Zwiebeln getestet. Die Anwendung erfolgte in den von den Herstellern empfohlenen Konzentrationen zwei Tage vor bzw. zwei Tage nach einer künstlichen Inokulation mit Falschem Mehltau. Die Freilandversuche wurden auf der Versuchsstation des IGZ, den Versuchsfeldern der Trifolio-M GmbH und auf Praxisbetrieben an Steckzwiebeln, Salat und Radies (nur IGZ) durchgeführt. Der Applikationsbeginn und die Applikationshäufigkeit erfolgte angepaßt an den erwarteten Epidemieverlauf. Parameter für die Beurteilung der Infektion waren Befallshäufigkeit und Befallsstärke. Zur Untersuchung der Pflanzgutübertragbarkeit von Falschem Mehltau wurden vier Steckzwiebelpartien überprüft. Die Zwiebeln einer Partie wurden gesteckt und im 3-4 Blattstadium über Nacht bei 100 % relativer Luftfeuchte aufgestellt. Dadurch wurde die Sporulation induziert und die Befallshäufigkeit konnte erfaßt werden. Für die Versuche zur Saatgutübertragbarkeit wurde Saatgut von jeweils fünf bis neun Sorten von Salat, Zwiebeln, Kohlrabi, Blumenkohl und Gurken geprüft. Nach der Aussaat wurden die Pflanzen im 2-3 Blattstadium bei 100 % relativer Luftfeuchte aufgestellt. Im Gewächshaus bei mittlerem Befallsdruck verminderten einige Pflanzenstärkungsmittel bei präinfektioneller Applikation den Befall mit Falschem Mehltau signifikant. Die Wirkung der Pflanzenstärkungsmittel war von der Kulturart abhängig. An Zwiebeln wirkte Trifolio FU-08 und Elot-Vis, an Salat und Gurke Frutogard, bei Radies Steinhauers Mehltauschreck und Neudovital. Bei einer postinfektionellen Applikation an Zwiebeln konnte keines der geprüften Pflanzenstärkungsmittel die Befallsstärke und die Befallshäufigkeit signifikant verringern. In den Freilandversuchen an Zwiebel, Salat und Radies hatte keines der geprüften Pflanzenstärkungsmittel eine ausreichende Wirkung gegen Falschen Mehltau. Die Anwendung der Präparate kann daher für den ökologischen Gemüsebau nicht empfohlen werden. Bei dem Vergleich der Freilandversuche an Zwiebeln auf unterschiedlichen Standorten zeigte sich, daß die Standortbedingungen mit den kleinklimatischen Besonderheiten einen deutlichen Einfluß auf den Epidemieverlauf haben. Demgegenüber spielen pflanzenbauliche Parameter wie Bestandesdichte und Umfang der Beregnung eine untergeordnete Rolle. Hervorzuheben ist die Bedeutung von infiziertem Saat- und Pflanzgut. In den Untersuchungen zur Saat- und Pflanzgutübertragbarkeit wurden an zwei Steckzwiebelpartien Infektionsraten von 0,1 und 1 % sowie und an zwei Salatsorten von 0,02 bzw. 0,06 % gefunden. Erwähnenswert ist die Tatsache, daß für beide befallene Saatgutpartien Resistenzen (Bl 1-16 sowie 1-17, 19, 21 + 23) gegen Falschen Mehltau ausgewiesen sind. Auch Sorten mit zahlreichen und aktuellen Resistenzgenen gegen Bremia lactucae können somit samenbürtiges Inokulum tragen und als Quelle für die Verbreitung neuer Mehltaurassen angesehen werden. Die geringen Infektionsraten erschweren den Nachweis und führen zur Unterschätzung dieser Inokulumquelle.

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