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Forschungsmanagement und Wissenstransfer im Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL)
Zentrale Ziele
Zentrale Ziele des Bundesprogramms Ökologischer Landbau sind die Ausdehnung des Ökologischen Landbaus und die Steigerung des Marktanteils ökologisch erzeugter Produkte bei gleichzeitiger Sicherung des Qualitätsstandards. Ziele, die nur erreicht werden können, wenn sich Angebot und Nachfrage ausgewogen weiterentwickeln. Diesen Prozess durch die Erarbeitung und Vermittlung neuen Wissens zu forcieren, ist die Aufgabe des Forschungsmanagements der Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau (GS-BÖL) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die zwei zentralen Tätigkeitsfelder sind dabei die Forschungsförderung und der Wissenstransfer.
Warum ist Forschungsförderung für den ökologischen Landbau nötig?
Die Agrarforschung ist nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa durch eine hohe institutionelle Vielfalt geprägt. Für die Ökolandbau-Forschung gilt dies sogar verstärkt: Durch die ursprünglich staatsferne Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft wurden Forschungs-Projekte zunächst vor allem von engagierten Pionieren und privaten Einrichtungen aufgegriffen. Heute besteht im ökologischen Landbau ein vielfältiges Wissenssystem, das den Vorteil hat, der großen Breite des Nutzerspektrums zu entsprechen, aber auch alle Nachteile der Kleinteiligkeit zeigt: Nur wenige Institutionen erreichen alleine die "kritische Masse", die erforderlich ist, um dauerhaft Forschungs-Qualität auf höchstem Niveau zu sichern und vor allem auch die Ergebnisse dieser Forschung adäquat zu kommunizieren.
Zugleich ist der Bedarf an Forschung im ökologischen Landbau im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft besonders hoch, da diese Form der Landwirtschaft vor allem auf dem Verständnis des organischen Zusammenwirkens aller einen Betrieb prägenden Faktoren beruht. Der ökologische Landbau ist also wissensbasiert und fußt weniger auf dem Einsatz bestimmter externer Betriebsmittel. Umfassendes Know-how ist also der Schlüssel, um dem ökologischen Landbau unter den bestehenden Wettbewerbsbedingungen eine positive Entwicklung zu ermöglichen.
Mit dem Verzicht auf schnellwirkende Mineraldünger und auf Pflanzenschutzmittel bietet der ökologische Landbau zudem für die privatwirtschaftliche Agrarindustrie nur ein geringes Absatzpotential. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde im Bundesprogramm Ökologischer Landbau festgehalten: "Die staatliche Förderung und Entwicklung ist insbesondere deshalb notwendig, weil der ökologische Landbau in weitaus geringerem Maße von den Forschungsergebnissen aus der Industrie profitiert als der konventionelle Landbau. Angesichts des weitgehenden Verzichts des ökologischen Landbaus auf Zukaufbetriebsmittel sowie der vergleichsweise geringen Größe dieses Teilsektors lohnt es sich für die Industrie meistens nicht, hier in die Forschung und Entwicklung zu investieren." In der Konsequenz wurden Forschung und Wissensvermittlung für den Ökologischen Landbau als Schwerpunkte des Bundesprogramms definiert.
Entwicklung und aktueller Stand der BÖL-Forschung zum ökologischen Landbau
Von Kiel bis Weihenstephan forschen inzwischen Wissenschaftler zum Öko-Landbau – und haben Deutschland international an die Spitze gebracht: Kein anderes Land bringt es derzeit auf mehr Projekte, mehr Publikationen und schafft permanent so viel neues praxisrelevantes Wissen. Rund 400 Projekte wurden bislang im Rahmen des Programms unter Beteiligung aller im Agrarbereich aktiven Forschungseinrichtungen zum Öko-Landbau geplant und realisiert. In steter Weiterentwicklung des Bundesprogramms werden seit 2007 neben zahlreichen disziplinären auch erste interdisziplinäre Projekte gefördert. Und das Wissen bleibt nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaften gefangen: die Forschungsergebnisse werden über viele verschiedene Wege an Landwirte, Ernährungsfachleute, Multiplikatoren vermittelt (siehe unten "Wissenstransfer").
Es ist mit vergleichsweise geringen staatlichen Mitteln gelungen, eine Forschung zum Öko-Landbau zu etablieren, die inzwischen internationale Beachtung erfährt. Das Budget für den Forschungsbereich im Bundesprogramms Ökologischer Landbau liegt im Jahr 2008 bei rund 8,3 Millionen Euro im Jahr.
Start und Entwicklung des Bundesprogramms - erste und zweite Förderphase
Nach dem Start des Bundesprogramms Ende 2001/Anfang 2002 wurde die Geschäftsstelle in kürzester Zeit aufgebaut. Cairca 700 über Ausschreibungen und Bekanntmachungen eingeworbene Projektvorschläge galt es gemeinsam mit externen Gutachtern zu bewerten.
Trotz der anfangs begrenzten Laufzeit des Bundesprogramms bis Ende 2003 konnten in der ersten Förderphase des Bundesprogramms Ökologischer Landbau bereits 180 Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben realisiert werden. Der Schwerpunkt lag auf Status-Quo-Analysen und Voruntersuchungen, um daraus weiteren Forschungs- und Handlungsbedarf ableiten zu können.
In der zweiten Förderphase des Bundesprogramms Ökologischer Landbau ab Anfang 2004 wurden gemeinsam mit maßgeblichen Akteuren aus Forschung, Praxis und Beratung neue Forschungsschwerpunkte erarbeitet und weitere Projektvorschläge eingeworben - insgesamt 670 Skizzen gingen ein. Daraus resultierten rund 130 neue Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben in allen Bereichen entlang der ökologischen Wertschöpfungskette. Bei der Auswahl wurde neben der notwendigen Priorisierung nach thematischer Relevanz und der Praxisnähe ein besonderer Wert auf eine ausgewogene Einbindung von Beratern und Praktikern in die Forschungsprojekte gelegt. Eine Vielzahl von Verbundvorhaben unter Beteiligung mehrerer Forschungseinrichtungen sowie themenbezogene Netzwerkprojekte, in denen viele Akteure des ökologischen Landbaus aktiv mitarbeiteten, wurden realisiert.
Interdisziplinarität gefragt - dritte Förderphase
Im August 2006 veröffentlichte das Forschungsmanagement-Team der BÖL-Geschäftsstelle, basierend auf den bisher erzielten Ergebnissen und einer breit angelegten Themenfindung, erneut eine Bekanntmachung für die Durchführung von FuE-Vorhaben im Bereich des Bundesprogramms (Bekanntmachung Nr. 04/06/51 vom 17. August 2006). Darin rief sie erstmals auch zum Einreichen interdisziplinärer Projekte zu vorgegebenen Themen auf. Ausgangspunkt für die Überlegung, im Bundesprogramm interdisziplinäre Forschungsansätze zu realisieren, war, dass die Landwirtschaft mit ihren meist mehr als einfachen Ursache-Folge-Beziehungen darauf angewiesen ist, nicht nur aus disziplinärer Sichtweise betrachtet zu werden. Dieses gilt insbesondere für den ökologischen Landbau, da hier häufig offene Fragen durch systemische Lösungen beantwortet werden. Die drei interdisziplinären Förderschwerpunkte umfassen die Themenbereiche "Gesundheit und Leistung in der ökologischen Milchviehhaltung", "Gesundheit und Leistung in der ökologischen Haltung von Sauen und Ferkeln" und "Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung". Die interdisziplinären Projekte im "Tierbereich" wurden bereits im Sommer 2007 bewilligt. Der überwiegende Anteil der rund hundert thematischen FuE-Vorhaben der dritten Förderphase ist ebenfalls angelaufen.
Einbindung der Praxis bereits bei der Projektplanung
Eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz von Forschungsaktivitäten durch die eigentliche Zielgruppe, die Praktiker im Bereich Landwirtschaft und Ernährung, ist die geeignete Auswahl der Themen. Darum bemüht sich die GS BÖL um einen intensiven Austausch mit praxisnah tätigen Akteuren der gesamten ökologischen Wertschöpfungskette. Das Wissen der Experten aus der Beratung, von im Öko-Bereich aktiven Landeseinrichtungen, Landwirtschaftskammern, Vertretern der ökologischen Anbauverbände, unabhängigen Forschungseinrichtungen und Versuchsanstellern ist für die Justierung des Programms ausgesprochen wichtig. Gespräche und Diskussionen auf Workshops, Beratertagungen usw. – auch außerhalb laufender Projekte – sind eine wesentliche Quelle für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle BÖL. Aber auch als Gutachter für konkrete Projektideen binden sie die genannten Akteure ein, um neben dem eigenen Standpunkt und der Expertise der Wissenschaft die Sicht der Praxis zu berücksichtigen.
Ansprechpartnerin zu Forschungsmanagement und Wissenstransfer im BÖL:
- Dorothée Hahn
0228/ 99 6845-3271
Dorothee.Hahn@ble.de
Europaweite Ökolandbau-Forschung vernetzt - Core Organic
Im EU-finanzierten ERA-Net-Projekt der CORE Organic (CORE - Coordination of European Transnational Research in Organic Food and Farming) arbeitet Deutschland mit weiteren zehn europäischen Ländern zusammen, um Forschungsdefizite im Ökolandbau europaweit zu identifizieren und Forschungsschwerpunkte zu formulieren. Beteiligt sind neben Deutschland Dänemark, Finnland, die Niederlande, Österreich, Norwegen, Schweden, Italien, das Vereinigte Königreich, Frankreich und die Schweiz. Das für die Forschung des Bundesprogramms Ökologischer Landbau verantwortliche Team der Geschäftsstelle trägt zusammen mit dem BMELV die Verantwortung für den deutschen Part.
Die Hauptziele des ERA-NET-Projektes CORE Organic beziehen sich auf die Verbesserung der grenzüberschreitenden Kommunikation zur Ökolandbauforschung, die Transnationalisierung der europäischen Forschungsaktivitäten zum Ökolandbau, die Identifizierung von Hindernissen zur fachlichen und administrativen Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern und die Etablierung eines gemeinsamen Förderpools für transnationale Forschung. Im September 2006 wurde die erste länderübergreifende Ausschreibung veröffentlicht. Bedingung für die Einreichung von Forschungsanträgen war jeweils ein Konsortium von Wissenschaftlern aus mindestens drei europäischen Ländern. Insgesamt wurden 38 derartige transnationale Projektanträge vorgelegt. Die CORE-Organic-Projektpartner wählten gemeinsam mit unabhängigen wissenschaftlichen Gutachtern acht Projekte aus, die im Mitte 2007 angelaufen sind - ein großer Erfolg aller an dem europaweiten Koordinationsprojekt CORE Organic Beteiligten.
Informationen zu den Projekten:
http://orgprints.org/view/projects/eu-coreorganic.html
Aktuelle Informationen zu CORE Organic:
www.coreorganic.org
Ansprechpartnerin zu den CORE Organic-Projekten:
- Dr. Elke Saggau
Tel.: 0228/99 6845-3930
Elke.Saggau@ble.de
Der BÖL-Wissenstransfer aus der Forschung
Um die knappen Mittel und Kräfte der Ökolandbau-Forschung möglichst effizient zu nutzen, ist es wichtig, dass Wissenschaftler von den Aktivitäten an anderen Forschungseinrichtungen erfahren. Für Wissenschaftler wurde darum mit www.orgprints.org eine eigene Plattform geschaffen, in der die Forschungsberichte in vollem Umfang eingestellt sind, und damit eine bislang klaffende Lücke im Informationsfluss geschlossen.
Im Portal
www.forschung.oekolandbau.de sind die Ergebnisse zudem kompakt aufbereitet verfügbar.
Nicht nur über "eigene" Projekte wird das Ziel verfolgt, Öko-Wissen auch an die Praxis zu vermitteln. Dies ist auch integraler Bestandteil eines jeden Projekts, das im Rahmen des Forschungsparts im Bundesprogramm realisiert wird. Bereits mit der Projektbewilligung wird festgelegt, dass die Projektbearbeiter die neuen Erkenntnisse zum Beispiel über Artikel in der Fachpresse verbreiten sollen. Allerdings zeigt die Erfahrung, nicht nur im Rahmen des Bundesprogramms, dass dies für einen effizienten Wissenstransfer nicht ausreicht. Die zielgruppengerechte Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in Medien für Landwirte, Verarbeiter, den Handel usw. zieht für Forscher in der Regel keine wissenschaftliche Anerkennung nach sich - mit der Folge, dass Publikationen nur in reviewten, wissenschaftlichen Journals erscheinen. Umgekehrt trägt die Praxis erkannte Defizite zu wenig an die Forschung heran.
Aus diesem Grund wurden im Rahmen des BÖL aktiv Strukturen zur Wissensbündelung und zum Wissenstransfer geschaffen. Dazu gehört etwa die Durchführung von Projekten, deren erstes Ziel die Vernetzung des Wissens verschiedener Akteure war. Diese themenbezogenen "Netzwerke" sollen auch nach Ende der BÖL-Förderung weitergeführt werden, um neu entstehendes Wissen einerseits bündeln und es andererseits so zu kanalisieren, dass es von möglichst vielen Interessenten bei Bedarf gezielt abgerufen werden kann.
Unsere laufenden Aktivitäten zum Wissenstransfer ruhen derzeit auf fünf Säulen:
- Einbindung einer Agrarjournalistin für die professionelle Kommunikation von Projektergebnissen und Informationen zu laufenden Vorhaben über verschiedene Medie
- Förderung themenbezogener Netzwerkprojekte
- Unterstützung der Wissenschaftsplattform forschung.oekolandbau.de im Internetportal
www.oekolandbau.de sowie der internationalen Forschungsdatenbank zum ökologischen Landbau
www.orgprints.org - Eigene Workshops, Tagungen usw. für den Transfer erarbeiteter Projektergebnisse (z.B. Organisation eines Fachprogramms auf den Messen Agritechnica oder Eurotier, Durchführung von Fachgesprächen zu aktuellen Themen, aktive Teilnahme an der Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau)
- "Wissenstransfer-Projekt": Organisiert von den Öko-Anbauverbänden werden Hunderte von Vortragsveranstaltungen für die Zielgruppen im ganzen Land durchgeführt (
http://www.fiblgate.org/oekolandbau/termine/index.php). - Mitarbeit in der KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft)-Arbeitsgemeinschaft "Ökologischer Landbau" (
www.ktbl.de)
Eine komplette Übersicht aller im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) bislang realisierten Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Links zu den jeweiligen Kurzportraits, Ansprechpartnern, Kontaktadressen bzw. Projektergebnissen finden Sie unter Projektliste.
Nach Abschluss der Vorhaben werden die Endberichte über das oben genannte Portal
www.orgprints.org veröffentlicht.
Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn
E-Mail:
geschaeftsstelle-oekolandbau@ble.de



